Personbezogene Faktoren in der sozialmedizinischen Begutachtung – Ethische Analyse und empirische Untersuchung

Panel 1: Case Management und Bedarfsermittlung im Handlungsfeld Gesundheit und Pflege

Die International Classification of Functioning, Disability and Health (ICF) wurde von der WHO im Jahr 2001 entwickelt. Mithilfe der ICF ist es möglich, den Gesundheitszustand und die mit Gesundheit zusammenhängenden Zustände einer Person zu klassifizieren. Die ICF ist anhand der Oberbegriffe “Körperfunktionen“, “Körperstrukturen“, “Aktivitäten und Partizipation“ sowie gesundheitlich relevanter “Umweltfaktoren“ in Unterkapitel unterteilt. Neben den Umweltfaktoren ist die Klassifikation von Personbezogenen Faktoren (PF) auf der Grundlage der bestehenden Definition in der ICF angedacht.

Da die Gesetzgebung die ICF als Kriterium zur Gewährung solidarisch finanzierter Leistungen legitimiert, ist die Ausgestaltung der Kategorie PF innerhalb der ICF, insbesondere für die sozialmedizinische Begutachtungspraxis der Deutschen Rentenversicherung zur Leistungsgewährung von Rehabilitationsmaßnahmen und Erwerbsminderungsrenten, von Bedeutung. Durch eine solche Ausgestaltung würde ein stärkerer und systematischer Einbezug von PF auch bei der Begutachtungsarbeit stattfinden. Dies würde allerdings auch eine standardisierte Erfassung sensibler persönlicher Daten mit sich bringen. Somit stellt sich die Frage, inwieweit eine Klassifikation von PF ethisch zu rechtfertigen ist und welche Kriterien dabei eine Rolle spielen. Neben einer ethischen Analyse werden auch die Einstellungen und Erfahrungen beteiligter Sozialmediziner und der betroffenen Versicherten berücksichtigt, um eine verantwortungsvolle Abwägung zwischen den betroffenen ethisch relevanten Gütern vornehmen zu können. Die Ergebnisse tragen zur aktuellen Diskussion über die Machbarkeit und Vertretbarkeit des Einbezugs von PF bei.

 

Christiane Jannes, M.A.

Christiane Jannes absolvierte ihren Bachelor in Gesundheitsökonomie an der Universität zu Köln und ihren Master in Medizinmanagement an der Universität Duisburg-Essen. Sie arbeitete von 2011 bis 2016 als studentische bzw. wissenschaftliche Hilfskraft an der Forschungsstelle Ethik und bei ceres. Seit Juni 2016 ist sie dort wissenschaftliche Mitarbeiterin und unter anderem Koordinatorin für das Projekt „Zum Einbezug Personbezogener Faktoren in die International Classification of Functioning, Disability and Health (ICF) – Ethische Analyse und empirische Untersuchung der sozialmedizinischen Begutachtungspraxis (PerF-ICF)“ im Bereich der Versorgungsforschung. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der Digitalisierung im Gesundheitswesen, der Versorgung Frühgeborener sowie im Bereich der International Classification of Functioning, Disability and Health (ICF).

 

 

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