Initiierung einer Fachgruppe Flucht, Migration, Integration innerhalb der dgcc

Migration gibt es, seit es die Menschheit gibt, und seit es Migration gibt, wird versucht, sie zu steuern, oder unerwünschte Zuwanderung zu verhindern. Seit Mitte 2015 ist dieses Thema in Deutschland  wieder ein zentraler Punkt in der politischen und der öffentlichen Diskussion, mit Auswirkungen auf das öffentliche Leben, die Gesetzgebung und die Integrationsmöglichkeiten für Migrant*innen.

Migrant*innen, Arbeitsmigrant*innen und Flüchtlinge stehen stärker als bereits in Deutschland geborene oder aufgewachsene Menschen im Spannungsfeld zwischen ihren eigenen Bedürfnissen, den Bedürfnissen der Herkunftsfamilie und den Erwartungen der Herkunftsgesellschaft beziehungsweise der in Deutschland lebenden Community und den Erwartungen der deutschen Gesellschaft.

Auf Migrant*innen lastet ein hoher Erwartungsdruck der „Aufnahmegesellschaft“, sich an die herrschenden Normen anzupassen, sich eine ausreichende Arbeit zu suchen und sich  die deutsche Sprache und deutsche Umgangsformen anzueignen, um sich adäquat in der deutschen Gesellschaft bewegen zu können.

Auf der anderen Seite fordern die „Herkunftsgesellschaft“ und die Familie oft, sich weiter ihren Werten und Normen zu unterwerfen.

Weiterhin fürchten viele Deutsche die Veränderungen, die die hohe Zahl an Zuzügen nach Deutschland für die Gesellschaft und vor allem für sie selber bringen könnten.

Migration bedeutet sowohl für die Migrant*innen als auch für die Einwanderungsgesellschaft Veränderungen, deren Übergänge gelingend gestaltet werden müssen.

Case Management als professionsübergreifendes Handlungskonzept stellt nach meiner und der Meinung vieler meiner Kollegen ein sehr gut geeignetes Instrument zur Planung und Gestaltung dieser Übergänge und des gesamten Integrationsprozesses dar.

In den „Förderrichtlinien zur Durchführung einer Migrationsberatung für Erwachsene (MBE)“ vom 15.06.2016 des Bundesministeriums des Inneren wird als einer der Schwerpunkte „..- die bedarfsorientierte Einzelfallberatung der Zuwanderer auf der Grundlage eines Case Managements bzw. einer sozialpädagogischen Begleitung“ (Gemeinsames Ministerialblatt, herausgegeben vom Bundesministerium des Inneren v. 20.07.2016) als einer der Schwerpunkte einer Migrationsberatung genannt.

Das Thema Migration war auch bereits Schwerpunkt einer Ausgabe der Mitgliederzeitschrift der dgcc und hat als Diskussionsthema den letzten Bundeskongress in Dresden am Rande begleitet.

Angesichts der hohen gesellschaftlichen Relevanz des Themas Migration, das die deutsche Gesellschaft, die deutsche und europäische Politik und die deutsche Wirtschaft noch die nächsten Jahre beschäftigen wird, schlage ich deshalb die Gründung einer Facharbeitsgruppe Flucht, Migration, Integration der dgcc vor, mit dem Ziel, das Handlungskonzept Case Management in der Migrationsberatung nach den Standards der dgcc besser in den Migrationsberatungen zu verankern und weiter zu entwickeln.

Ziele sollten unter anderem sein:

  • Erarbeiten von Vorschlägen zur Verbesserung der kunden-/ klientenorientierten Schnittstellenarbeit
  • Erarbeiten von Vorschlägen zur Gestaltung und Verbesserung der Zusammenarbeit von an im Bereich Migration im Rahmen eines Case-Managementprozesses beteiligten Personen und Institutionen
  • Forschung im Bereich Möglichkeiten und Grenzen des Case-Managements im interkulturellen Kontext
  • Erarbeiten von Vorschlägen zur Gestaltung von Case-Management im interkulturellen Kontext
  • Zusammenarbeit mit anderen Fachgruppen

Ich würde mich auf eine große Resonanz in der dgcc auf  meinen Aufruf freuen.

München, 08.12.2016

Christian Schreiber

E-Mail: Schreiber@dgcc.de

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